Wer einmal lügt…

Die Abkehr vom Shareholder-Value-Denken wird zwar oft gefordert, aber ist bei weitem noch nicht in den Köpfen unserer Wirtschaftsgrößen verankert. Im besonderen nicht, solange das Bonus- und Vergütungssystem daran gekoppelt ist. Wenn man nur den Gewinn im Auge hat, verliert man leicht den Blick für die Menschen, ohne die ein solcher Gewinn nicht zu erzielen ist. Das sind alle jene, die das große Beziehungsgeflecht eines Unternehmens, einer Organisation ausmachen.

Das Produkt in seiner verkauften Stückzahl lässt sich eben leicht zählen, damit der Erfolg vermeintlich messen. Erfolg ist aber immer symphonisch, mehrdimensional.  Er drückt sich vor allem in guten Beziehungen aus. Beziehungen zwischen konkreten Menschen im und um das Unternehmen. Diese Beziehungen müssen gepflegt werden, damit sie dauerhaft Bestand haben können. Seit geraumer Zeit verwenden wir dafür das Schlagwort Nachhaltigkeit.

Diese Nachhaltigkeit in den Beziehungen zu den Mitarbeitern, zu den Kunden auch zur Öffentlichkeit baut auf einem äußerst wichtigen Wert auf, nämlich dem Vertrauen. Der freie Fall des ADAC, den wir in diesen Tage erleben, ist ein Musterbeispiel für verlorenes Vertrauen. Noch wissen wir nicht, ob auch andere seiner Studien frisiert wurden. Aber hinter jeder Äußerung des zweitgrößten Automobilclubs der Welt wird in Zukunft ein großes Fragezeichen gesetzt werden: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.

Das ist umso verhängnisvoller, da die Fallhöhe hier sehr hoch liegt:  aufgrund seiner schieren Größe galt der ADAC bisher als eine Institution, gewissermaßen sogar eine moralische , die zwar parteiisch, aber glaubwürdig den deutschen Autofahrer vertreten hat. Diese Reputation hat der ADAC gehörig verspielt. Alle Organisationen sollten die Lehren aus diesen Vorgängen  beherzigen: enttäuschtes Vertrauen irritiert massiv bisher funktionierende Beziehungen und vernichtet damit Kundentreue, verunsichert die Mitarbeiter, gefährdet deren Arbeitsplätze und im Letzten die Zukunft eines Unternehmens, des Vereins, der Institution.

Das ist im Orden nicht anders: Authentizität und daraus entspringend Vertrauen zwischen Abt und Mönchen, also zwischen Führendem und Geführtem, weiterhin zwischen Unternehmen und Kunden, sind die Grunddaten des Organsiationsprinzips der Benediktsregel. Diese hat seit 1500 Jahren Erfolg auch jenseits allen Bindungsverlusts der Amtskirche. Schade, dass sich diese im Grunde einfache Weisheit so schwer in den Köpfen unserer Führungskräfte – auch des ADAC – festsetzt!