Papst Franziskus twittert und folgt nur sich selbst

Seit einiger Zeit twittere ich. Meine Mitarbeiter meinten, das sei in der heutigen Zeit unerlässlich, um auf dem Markt mit seinen Thesen und Meinungen präsent zu sein. Stolz wird mir die wachsende Zahl meiner Follower jeden Tag präsentiert. Ich selbst folge natürlich auch vielen Menschen auf ihrem Twitter-Account.

Kirche will auf die Menschen zugehen. Das heißt zuerst: zuhören.

Einer der ersten, dem ich folgen wollte, war Papst Franziskus, der ja seinerseits ein Freund der neuen Medien ist. Er ermuntert, Social Media zu nutzen, um die Botschaft des Christentums zu verbreiten. Der besondere Akzent seines Pontifikats liegt bekanntlich darin, dass er die Kirche und besonders die Amtsträger auffordert, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und dort auf die Menschen zuzugehen.

Franziskus hat Millionen Follower, folgt aber selbst nur 8 Usern

Dieses Zugehen beinhaltet natürlich auch, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen und ihnen zuzuhören. Dabei ist mir allerdings eine Diskrepanz aufgefallen: Der Papst hat zwar Millionen von Followers, er selbst folgt aber nur acht Usern. Wenn man diese nachsieht, stellt man fest, dass es sich dabei um die Tweets des Papstes selbst in acht verschiedenen Sprachen handelt. Er folgt also ausschließlich sich selbst.

Natürlich kann ein Papst bei einer Milliarde Katholiken nicht jeden Tweet lesen und beantworten. Aber die Chance, dass die Kurienmitarbeiter, die den Papst bei seiner Medienarbeit unterstützen, unmittelbar ihre Ohren am Puls der Zeit und ihre Augen bei den Rändern der Gesellschaften haben, wird verschenkt. Der Appell des Papstes, der so erfrischend unkonventionell sein Amt ausübt, wird dadurch leider konterkariert.

Kann Obama die Tweets von 630.000 Personen lesen?

Ich habe dann weiter gesucht und interessante Zahlen gefunden: der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz folgt über 3.300 anderen Kontakten, der frühere amerikanische Präsident Barack Obama sogar mehr als 630.000. Ob er das alles lesen kann? Leichter hat es da die Fußballnationalmannschaft, sie braucht nur die Tweets von 229 Kontakten zu lesen. Und fast so einfach wie der Papst macht es sich der russische Präsident: er folgt 22 Nutzern. Ich habe nicht ehr nachgeschaut, ob es sein Profil in genau so vielen Sprachen gibt.