Interview in der Kleinen Zeitung Kärnten über Achtsamkeit von Managern

„Manager sollten hören, bevor sie reden“
Das rechte Maß ist in der Wirtschaft so nötig wie beim Bier, meint Anselm Bilgri.
Auszug aus der Kleinen Zeitung Kärnten vom 21.10.2016

4. Ethik Forum St. Georgen 2016 "Das gute Leben" Anselm Bilgri ©fritzpress

4. Ethik Forum St. Georgen 2016 „Das gute Leben“
Anselm Bilgri
©fritzpress

Anselm Bilgri war bis 2004 Benediktinermönch im bayerischen Kloster Andechs, wo er die Brauerei zu einem florierenden Wirtschaftsbetrieb ausgebaut hatte. Seit Ausscheiden aus dem Orden ist er Unternehmensberater und Bestsellerautor

Sie sprechen über „Führen in Achtsamkeit“. Was ist für Sie Achtsamkeit?

ANSELM BILGRI: Das heißt vor allem, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen soll. Heutige Führungsmethoden sind vor allem betriebswirtschaftlich geprägt. Die Zahlen müssen stimmen, dem sollen sich die Menschen unterordnen. Aber es muss eine Balance da sein, das Unternehmen muss Gewinn erwirtschaften, kann das aber immer nur mithilfe von Menschen erreichen.

Noch so ein Schlagwort: ethische Kompetenz. Was ist das?

BILGRI: Ethik kann man schlecht lernen, aber man muss sich damit beschäftigen. Das griechische Wort Ethos meint die guten Gewohnheiten, die in einer Organisation von Menschen herrschen sollen. Die beste Motivation, dass jemand mitmacht beim Weg auf das gemeinsame Ziel, ist, dass ich es sinnstiftend vermitteln kann. Das Ethik-Forum steht unter dem Motto „Das gute Leben“.

Was macht aus Ihrer Sicht gutes Leben aus?

BILGRI: Gutes Leben ist ein Leben in Balance. Mit sich selbst in Einklang zu sein, so, dass das Innen und Außen zusammenstimmt, dass man das rechteMaß findet und Extreme im Umgang mit anderen und sich selbst vermeidet. Wie findet man das rechte Maß?

BILGRI: Gerade Menschen in Führungsverantwortung sollten täglich innehalten, nicht stolz drauf sein, wieviel Zeit sie unter Stress verbringen müssen.

Was kennzeichnet gute Unternehmenskultur?

BILGRI: Eindeutig eine gute Kommunikation, aber nicht nur reden um des Redens willen. Der Chef sollte vor allem ein Hörender sein, das habe ich aus meiner benediktinischen Vergangenheit mitgebracht: Manager sollten hören, bevor sie reden. Und: Wer fragt, der führt, das ist ein wunderschöner Führungsgrundsatz. Vorgesetzte sollten sich bemühen, herauszufinden, was der Mitarbeiter wirklich gut macht und gerne

KARIN WALDNER-PETUTSCHNIG