Wieso Muße ein schlechtes Image hat

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Viele Menschen, die von unserer Akademie der Muße hören, sind begeistert von diesem Titel. Ich nehme an, dass aber ebenso viele damit nichts anfangen können, die äußern sich dann eher nicht. Eine Freundin sagte mir rundheraus: Muße habe ihr zu viel mit Müssen zu tun. Das heißt wohl mit der Disziplin, die mit dem Einhalten von Mußezeiten einhergehen sollte. Andere werden vielleicht Muße mit Müßiggang in einen Topf werfen und erinnern sich dann an das Sprichwort: Müßiggang ist aller Laster Anfang. Diese Wort lässt sich auf den hl. Benedikt zurückführen, der ein Kapitel seiner Regel mit den Worten beginnt: Müßiggang ist der Feind der Seele. Der Mönch und damit der exemplarische Mensch ist immer mit etwas beschäftigt, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt. Eine derartige Befürchtung steckt hier dahinter. Diese Haltung hält sich durch bis zum berühmten Diktum Benjamin Franklins: Time is money. Der Gentleman der englischen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent nutzt seine Zeit, um ökonomische Prosperität zu generieren und verplempert sie nicht mit Albernheiten oder Nichtstun. Solche Meinungen verfestigen sich – in zeitgemäßer Form – in vielen Managerköpfen unserer Tage: Wirtschaftlicher Erfolg wird sichtbar und messbar am Grad des Beschäftigtseins. Und dabei besteht der wahre Luxus doch gerade darin, über seine Zeit selbstbestimmt zu verfügen. Das deckt sich weitgehend mit der Definition von Muße. Die österreichische Wissenschaftlerin Helga Nowotny nennt Muße die Eigenzeit. Man könnte auch sagen, die nicht determinierte Zeit, über die man selbst verfügen kann. Horaz nannte sie „procul negotiis“ – fern von Geschäften, von Geschäftigkeit. Viele Menschen haben geradezu panische Angst davor  in stillen Zeiten mit sich selbst konfrontiert zu sein, mit den eigenen Licht- und Schattenseiten.  Dabei ist diese Begegnung neben der mit anderen Menschen eine der weiterführenden und fruchtbringendsten. Muße hat zuerst einmal nichts mit Faulheit zu tun, obwohl es vielleicht manches Mal gut täte, sich nichts dabei zu denken, einfach faul zu sein. Muße ist erfüllte und erfüllende Zeit – nur eben nicht sofort verwertbar.